Fa­mi­li­en­be­zie­hun­gen und Lo­ya­li­täts­kon­flik­te

ak­tua­li­siert am 31.01.24   von Dr. Ul­ri­ke Lux und Dr. Ja­nin Zim­mer­mann   Ent­wick­lungs- und Fa­mi­li­en­psy­cho­lo­gie, Lud­wig-Ma­xi­mi­lians-Uni­ver­si­tät Mün­chen

Rundes Icon, das für den Inhaltsbereich "Fair trennen und gemeinsam erziehen" steht. Gezeigt wird eine Familie in Halbfrontalansicht. Mutter und Vater blicken mit sorgenvoller Mimik, ihr Sohn im Vordergrund zeigt einen traurigen Gesichtsausdruck.

Was ist Bindungsfürsorge und warum ist sie wichtig?

Bin­dungs­to­le­ranz und Bin­dungs­für­sor­ge

Kin­der wün­schen sich nach der Tren­nung ih­rer El­tern in der Re­gel wei­ter­hin Kon­takt zu bei­den El­tern. Da­mit sie ei­ne po­si­ti­ve Be­zie­hung zu bei­den El­tern­tei­len nach der Tren­nung er­hal­ten oder viel­mehr wei­ter auf­bau­en kön­nen, sind Kin­der al­ler­dings auf die Un­ter­stüt­zung ih­rer El­tern an­ge­wie­sen. Im Fa­mi­li­en­recht wird der Be­griff „Bin­dungs­to­le­ranz“ ver­wen­det, um zu be­schrei­ben, in­wie­weit El­tern da­von über­zeugt sind, dass für ih­re Kin­der Kon­tak­te zum an­de­ren El­tern­teil wich­tig sind. Der Be­griff ist al­ler­dings et­was miss­ver­ständ­lich. Für einen lang­fris­ti­gen Be­zie­hungs­er­halt ist es näm­lich oft nicht aus­rei­chend, wenn El­tern den Kon­takt ih­res Kin­des zum an­de­ren El­tern­teil ein­fach nur to­le­rie­ren und zu­las­sen.
Es ist wich­tig, dass bei­de El­tern­tei­le die ge­wach­se­nen Bin­dun­gen des Kin­des zum je­weils an­de­ren El­tern­teil wert­schät­zen und de­ren Er­halt ak­tiv för­dern und un­ter­stüt­zen. Dies nennt man auch „Bin­dungs­für­sor­ge".

Ein Herz, das aus drei roten Puzzleteilen besteht, die von zwei Elternteilen und einem Kind zusammengehalten werden.

Bindungsfürsorge

Was kann die Bindungsfürsorge erschweren?

Cartoon von Renate Alf. Kind beschwert sich bei seiner Mutter und sagt. Van wegen Sonntag ist Papatag. Mal ist Ostern, mal kommt Oma, mal kommt Opa... Die Mutter zeigte auf den Kalender und sagt: Heute ist jedenfalls Muttertag.

Her­aus­for­de­run­gen bei der Bin­dungs­für­sor­ge

„Die Be­zie­hung der Kin­der zum an­de­ren El­tern­teil ak­tiv för­dern und un­ter­stüt­zen“ – das ist na­tür­lich leich­ter ge­sagt, als ge­tan, vor al­lem, wenn man sich ge­ra­de erst ge­trennt hat. Es kann vie­le ver­schie­de­ne Grün­de ge­ben, warum die Bin­dungs­für­sor­ge für El­tern nach der Tren­nung ei­ne Her­aus­for­de­rung dar­stellt.

 

Im Fol­gen­den fin­den Sie ei­ni­ge Bei­spie­le für mög­li­che Schwie­rig­kei­ten und Tipps, wie man mit die­sen gut um­ge­hen kann.

 

Her­aus­for­de­run­gen und Lö­sungs­vor­schlä­ge

 

Mann, der schimpft und einen Finger erhoben hat. Um ihn herum sind Blitze abgebildet.

Negative Gefühle

Starke negative Gefühle gegenüber dem anderen Elternteil 
 

Wenn El­tern nach der Tren­nung noch sehr mit der Ver­ar­bei­tung ih­rer ei­ge­nen Ge­füh­le und ne­ga­ti­ven Ge­dan­ken über den an­de­ren El­tern­teil be­schäf­tigt sind, kann es für sie manch­mal schwie­rig sein, die Kon­tak­te ih­rer Kin­der zum an­de­ren El­tern­teil gut zu be­glei­ten. Man ist viel­leicht wü­tend, ver­letzt, ent­täuscht, sehnt sich nach Ra­che oder möch­te den an­de­ren­ ein­fach nie wie­der se­hen. An­ge­sichts solch hef­ti­ger Ge­füh­le und Ge­dan­ken kön­nen sich man­che El­tern nicht vor­stel­len, dass die ei­ge­nen Kin­der den an­de­ren El­tern­teil trotz­dem ger­ne mö­gen und ihn ver­mis­sen, oder kön­nen sich nur schwer über­win­den, Kon­tak­te der Kin­der zum an­de­ren El­tern­teil ak­tiv zu un­ter­stüt­zen.

 

El­tern-Tipp
Neh­men Sie sich Zeit, für sich selbst zu sor­gen, um die Tren­nung gut zu ver­ar­bei­ten! Ma­chen Sie sich aber auch be­wusst, dass die ei­ge­nen Kin­der ganz an­ders emp­fin­den kön­nen als man selbst und der Be­zie­hungs­er­halt für sie wich­tig ist.

Wenn es für Sie ge­ra­de schwie­rig ist, dem an­de­ren El­tern­teil per­sön­lich zu be­geg­nen, kön­nen die Wech­sel bzw. Über­ga­ben viel­leicht am Kin­der­gar­ten oder in der Schu­le statt­fin­den oder Freun­din­nen, Freun­de und Ver­wand­te kön­nen das ei­ne Zeit ­lang über­neh­men.

Sorgen, ob es dem Kind beim anderen Elternteil gut geht

Manch­mal ha­ben El­tern Sor­ge, dass es den Kin­dern beim an­de­ren El­tern­teil nicht gut geht und sie dort nicht gut ver­sorgt sind. Vor al­lem bei jun­gen Kin­dern ha­ben man­che El­tern Be­den­ken, wenn sich der an­de­re El­tern­teil bis­lang nur we­nig oder zu­min­dest nicht al­lein um die Kin­der ge­küm­mert hat. Oder es be­ste­hen Be­den­ken, weil ein El­tern­teil in der Ver­gan­gen­heit auch ne­ga­ti­ves Er­zie­hungs­ver­hal­ten ge­zeigt hat wie bei­spiels­wei­se Dro­hun­gen oder kör­per­li­che Stra­fen. Zu­dem er­schüt­tert es das Ver­trau­ens­ver­hält­nis nach­hal­tig, wenn es bei el­ter­li­chen Kon­flik­ten zu mas­si­ven Ab­wer­tun­gen, Dro­hun­gen oder viel­leicht so­gar kör­per­li­cher Ge­walt zwi­schen den El­tern ge­kom­men ist.

 

Eine Mutter, die ihren Sohn mit einem Megaphon anschreit. Kind hält sich die Ohren zu und sieht zu Boden.

Mut­ter schreit

El­tern-Tipp
Schau­en Sie dar­auf, was in der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on das Bes­te für die Kin­der ist. Zu­nächst ist es wich­tig, die Sor­gen noch ein­mal auf den Prüf­stand zu stel­len und nicht vor­schnell zu han­deln.

Nut­zen Sie die Tech­nik des  Emotionscoaching , wenn Sie Be­las­tun­gen bei Ih­rem Kind im Zu­sam­men­hang mit Um­gangs­kon­tak­ten wahr­neh­men. Ge­eig­ne­te An­lauf­stel­len kön­nen ei­ne neu­tra­le fach­li­che Ein­schät­zung ab­ge­ben und mit Ih­nen ge­mein­sam klä­ren, wie Ih­ren Sor­gen an­ge­mes­sen be­geg­net wer­den kann und der Kon­takt zu bei­den El­tern po­si­tiv ge­stal­tet wer­den kann. Mög­li­cher­wei­se kann auch der an­de­re El­tern­teil mo­ti­viert wer­den, sein Er­zie­hungs­ver­hal­ten zu ver­än­dern. Bei Be­darf kön­nen mit fach­li­cher Hil­fe gu­te Rah­men­be­din­gun­gen zum Wohl der Kin­der ge­schaf­fen wer­den, zum Bei­spiel mit be­glei­te­ten Um­gangs­kon­tak­ten.

Mutter spricht mit Sohn und sieht verärgert aus. Sie sagt, dass der Vater des Sohns unmöglich ist.
(Unbewusste) ungünstige Verhaltensweisen und Äußerungen im Elternkonflikt

Ist die Si­tua­ti­on zwi­schen den El­tern nach der Tren­nung durch fort­ge­setz­te Kon­flik­te ge­prägt, pas­siert es häu­fig, dass El­tern ih­re Kin­der durch un­be­dach­te Äu­ße­run­gen und Ver­hal­tens­wei­sen in die Kon­flik­te ein­be­zie­hen. Oft steht da­hin­ter kei­ne be­wuss­te Ab­sicht, die Kin­der vom an­de­ren El­tern­teil fern­zu­hal­ten oder sie ge­gen den an­de­ren El­tern­teil zu be­ein­flus­sen. Ne­ga­ti­ve Äu­ße­run­gen über den an­de­ren El­tern­teil, Kon­flik­te in An­we­sen­heit des Kin­des oder Ver­lu­stängs­te der El­tern in Be­zug auf das Kind kön­nen Kin­der je­doch sehr ver­un­si­chern und zu Lo­ya­li­täts­kon­flik­ten füh­ren.

 

El­tern-Tipp
Be­ob­ach­ten Sie sich selbst kri­tisch, in­wie­weit Sie Ver­hal­tens­wei­sen wie Be­schwer­den über den an­de­ren El­tern­teil, Ab­wer­tun­gen oder ähn­li­ches ge­gen­über Ih­ren Kin­dern zei­gen, die Lo­ya­li­täts­kon­flik­te be­güns­ti­gen kön­nen. Ver­hal­ten Sie sich im Zwei­fel be­wusst an­ders.
Reaktionen auf beeinflussendes oder bindungsintolerantes Verhalten des anderen Elternteils

Manch­mal ent­steht bei El­tern der Ein­druck, dass der an­de­re El­tern­teil mit den Kin­dern ne­ga­tiv über einen spricht oder ver­sucht, die Kon­tak­te zu un­ter­bin­den. Dies löst häu­fig die un­güns­ti­ge Re­ak­ti­on aus, den Kin­dern mit­zu­tei­len, was man selbst vom an­de­ren El­tern­teil hält. Tat­säch­lich be­rich­ten Kin­der, die un­ter Lo­ya­li­täts­kon­flik­ten lei­den, häu­fig, dass sie von bei­den Sei­ten Be­schimp­fun­gen über den an­de­ren hö­ren oder bei­de El­tern­tei­le ver­letzt rea­gie­ren, wenn die Kin­der von schö­nen Er­leb­nis­sen beim je­weils an­de­ren El­tern­teil be­rich­ten. Dies ist ei­ne große Be­las­tung für die Kin­der, weil sie sich im Kon­flikt zwi­schen den El­tern ge­fan­gen füh­len und ih­ren ei­ge­nen (po­si­ti­ven) Ge­füh­len ge­gen­über bei­den El­tern­tei­len zu­neh­mend miss­trau­en.

 

Bild, das die bedrückte Gefühlslage eines Jungen im Teenageralter ausdrückt. Gezeigt wird sitzender Junge, mit angezogenen Beinen und trauriger Mimik. Eine Gedankenblase drückt durch Fadenknäul-Symbol Verwirrung und Sorgen aus.

Kind fühlt sich zerrissen

El­tern-Tipp
Auch wenn es schwer­fällt: Zei­gen Sie bin­dungs­für­sorg­li­ches Ver­hal­ten – un­ab­hän­gig da­von, wie sich der an­de­re El­tern­teil ver­hält!

Dies ist für die Ent­wick­lung Ih­rer Kin­der wich­tig. Bin­dungs­in­to­le­ran­tes Ver­hal­ten hat ne­ga­ti­ve Fol­gen für das Wohl­be­fin­den von Kin­dern und die El­tern-Kind-Be­zie­hung. Wenn Sie sich Sor­gen ma­chen, dass die Kin­der vom an­de­ren El­tern­teil zu sehr in die el­ter­li­chen Kon­flik­te ein­be­zo­gen wer­den, soll­ten Sie ihn mög­lichst dar­auf an­spre­chen und sich für fach­li­che Un­ter­stüt­zung an ei­ne Be­ra­tungs­stel­le wen­den.

Was sind Loyalitätskonflikte?

Lo­ya­li­täts­kon­flik­te

Für Kin­der ist es sehr schwie­rig, Zu­nei­gung ge­gen­über ei­nem El­tern­teil zu äu­ßern und ih­re Be­zie­hungs- und Kon­takt­wün­sche of­fen aus­zu­drücken, wenn sie mit­be­kom­men, dass der an­de­re El­tern­teil die­sen ab­lehnt. Viel­leicht ha­ben Sie selbst schon ein­mal die Er­fah­rung ge­macht, dass Sie ei­ne Freun­din/ei­nen Freun­d oder ei­ne Part­ne­rin/ei­nen Part­ne­r hat­ten, der oder die von Ih­ren El­tern oder Ih­rem Freun­des­kreis nicht ak­zep­tiert wur­de. In sol­chen Si­tua­tio­nen ge­rät man schnell in Recht­fer­ti­gungs­druck, hin­ter­fragt sei­ne ei­ge­nen Ge­füh­le, oder ver­sucht die Be­zie­hung vor an­de­ren zu ver­heim­li­chen. Man fühlt sich un­wei­ger­lich zer­ris­sen, da es kaum mög­lich er­scheint, zu al­len Per­so­nen, die ei­nem wich­tig sind, ei­ne gu­te Be­zie­hung zu ha­ben.

Kin­der füh­len sich im Nor­mal­fall bei­den El­tern­tei­len sehr ver­bun­den, emp­fin­den al­so bei­den ge­gen­über Lo­ya­li­tät. Lo­ya­li­täts­kon­flik­te ent­ste­hen, wenn ein Kind Angst hat, die Zu­nei­gung ei­nes El­tern­teils zu ver­lie­ren, falls es sich auch dem an­de­ren El­tern­teil ver­bun­den fühlt und ihm oder ihr ge­gen­über sei­ne Zu­nei­gung zeigt.

Kind, das beide Elternteile an der Hand hält. Eltern laufen in entgegengesetzt Richtungen, wodurch Kind hin- und hergerissen wird.

Loya­li­täts­kon­flikt

Für Kin­der sind Lo­ya­li­täts­kon­flik­te ge­gen­über ih­ren El­tern be­son­ders be­las­tend. Zum einen sind sie noch stark von den Be­wer­tun­gen und Ein­schät­zun­gen ih­rer El­tern ab­hän­gig und ori­en­tie­ren sich vor al­lem in ver­un­si­chern­den Si­tua­tio­nen – wie der Tren­nung der El­tern – an ih­nen. Das heißt, wenn ein El­tern­teil den an­de­ren schlecht macht oder sie den Ein­druck ha­ben, sie müss­ten sich zwi­schen bei­den ent­schei­den, ver­trau­en sie ih­ren ei­ge­nen Ge­füh­len nicht mehr. Ih­re emo­tio­na­le Si­cher­heit ist ge­fähr­det. Zum an­de­ren kön­nen sie sich nicht ein­fach zwi­schen ih­ren El­tern ent­schei­den, da sie in der Re­gel zu bei­den ge­wach­se­ne Bin­dun­gen ha­ben und die Lie­be und Zu­nei­gung von bei­den su­chen.

 

Wir sind STARK! Mit­ein­an­der klar­kom­men trotz Tren­nung

In die­sem Vi­deo er­zäh­len So­phie, Can und Emi­ly, wie schwie­rig und kon­flikt­haft die Be­zie­hung und Zu­sam­men­ar­beit ih­rer El­tern nach der Tren­nung war, wie es ih­nen da­mit ging und was ih­nen ge­hol­fen hat.

 

"Wir sind STARK!" - Mit­ein­an­der klar kom­men trotz Tren­nung

So­phie (ge­nervt): Boah, im­mer das glei­che, wenn die bei­den sich se­hen… . Sor­ry.

Can: Kein Ding, ist doch nicht so schlimm…

So­phie: Doch voll pein­lich. Im­mer nur Streit und das ob­wohl sie ja schon ge­trennt sind. Ich kann sa­gen was ich will - am En­de krieg ich meis­tens noch den Är­ger ab.

Can: Mach dir nix draus! Bei uns ist es auch echt mies. Uns hat man ge­sagt, dass wir un­se­ren Va­ter wei­ter­hin se­hen dür­fen. Mei­ne Mut­ter will das aber nicht. Im­mer, wenn wir fra­gen, sagt sie blö­de Sa­chen über ihn und meint, dass es nicht geht. Glaub mei­ne Schwes­ter hat schon auf­ge­ge­ben, aber ich will mei­nen Va­ter schon ger­ne se­hen!

Emi­ly: Mei­ne El­tern re­den seit der Tren­nung über­haupt nicht mehr mit­ein­an­der. Ich muss im­mer den gan­zen Kram zwi­schen den bei­den re­geln, wer was zahlt, wie so ne Post­bo­tin. Da­bei will ich ei­gent­lich über­haupt nichts da­mit zu tun ha­ben.

Can: Oh Mann… aber es bringt eh nix, wenn man was sagt.

Emi­ly: Al­so ich hab mal ge­hört, dass man Leu­ten - wenn sie ei­nem nicht zu­hö­ren - auf­schrei­ben soll, wie‘s ei­nem geht und was man sich wünscht.

Can: Ähh, du meinst, ich soll nen Brief schrei­ben??? Hmm, warum nicht, dann kön­nen sie uns we­nigs­tens nicht im­mer un­ter­bre­chen.

So­phie: Boah schwer, kei­ne Ah­nung, wie man so­was schreibt. Okay, das klingt ganz gut.

Ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter.

Can: Hey, sagt mal, was ist ei­gent­lich bei eu­ren Brie­fen raus­ge­kom­men?

So­phie: Voll gut! Bei uns hat das echt was ge­bracht! Ok… Streit gibts schon noch - aber sie las­sen jetzt mich da­mit we­nigs­tens in Ru­he und wenn sie re­den müs­sen, dann ge­hen sie manch­mal auch zu so ner Be­ra­tungs­stel­le.

Can: Bei mir lief’s nur halb gut. Mein Va­ter war ziem­lich sau­er auf mei­ne Mut­ter, als er ge­le­sen hat, wie‘s mir geht und hat krass ge­mei­ne Sa­chen zu ihr ge­sagt. Ich hat­te dann ein rich­tig schlech­tes Ge­wis­sen. Aber, ich fand‘s schon gut, dass er mich öf­ter se­hen will. Jetzt sind mei­ne El­tern zum Ge­richt ge­gan­gen und die Rich­te­rin hat ent­schie­den, dass ich wie­der öf­ter zu ihm darf. Sie hat so­gar ge­fragt, was ich ei­gent­lich will. Und das mit dem Brief fand die Rich­te­rin üb­ri­gens to­tal cool. Und bei dir?

Emi­ly: Mei­ne El­tern ha­ben da­nach das ers­te Mal über­haupt wie­der mit­ein­an­der ge­re­det. Am Te­le­fon gibt‘s zwar im­mer mal Krach, aber manch­mal schrei­ben sie sich jetzt dann auch ein­fach. Sie ha­ben end­lich ge­checkt, dass sie mich raus­hal­ten sol­len. Bin ja auch echt nicht ih­re Post­bo­tin!

So­phie: Krass, die Brie­fe ha­ben al­so echt was ge­bracht. Na ich sag euch: Manch­mal müs­sen die El­tern auch ein­fach mal auf ih­re Kin­der hö­ren!

Can: Stimmt und jetzt sag ich euch mal was, ich zock euch gleich bei­de ab.

So­phie: Ha­ha, das will ich se­hen!

Wie entstehen Loyalitätskonflikte?

Ur­sa­chen von Lo­ya­li­täts­kon­flik­ten

Ins­be­son­de­re, wenn die Si­tua­ti­on zwi­schen den El­tern sehr an­ge­spannt und kon­flikt­haft ist, kommt es im All­tag von Tren­nungs­fa­mi­li­en häu­fig – auch un­be­ab­sich­tigt und un­be­wusst – zu Si­tua­tio­nen, die bei Kin­dern Lo­ya­li­täts­kon­flik­te ver­ur­sa­chen kön­nen. Um Kin­der da­vor zu schüt­zen, in Lo­ya­li­täts­kon­flik­te zu ge­ra­ten, ist es hilf­reich, wenn man kri­ti­sche Si­tua­tio­nen kennt, die die­se aus­lö­sen kön­nen. Sol­che kri­ti­schen Si­tua­tio­nen kön­nen dann be­wusst ver­mie­den wer­den.

Im Fol­gen­den fin­den Sie ei­ne Aus­wahl häu­fig auf­tre­ten­der Si­tua­tio­nen und wie Kin­der die­se er­le­ben, wo­bei dies na­tür­lich nicht für je­des Kind gilt, son­dern Kin­der ganz un­ter­schied­lich mit sol­chen Er­fah­run­gen um­ge­hen.

 

Welche Folgen haben Loyalitätskonflikte?

Stra­te­gi­en von Kin­dern, mit Lo­ya­li­täts­druck um­zu­ge­hen

Das Mit­er­le­ben von Kon­flik­ten zwi­schen den El­tern und der Ein­druck, sich zwi­schen den El­tern ent­schei­den zu müs­sen wird als Ko­ali­ti­ons­druck be­zeich­net und be­deu­tet für Kin­der Stress. Auch lang­fris­tig kann dies ne­ga­ti­ve Fol­gen für die El­tern-Kind-Be­zie­hun­gen und die kind­li­che Ent­wick­lung ha­ben. Sind Kin­der län­ge­re Zeit Kon­flik­ten und Ko­ali­ti­ons­druck aus­ge­setzt, ent­wi­ckeln ei­ni­ge von ih­nen Stra­te­gi­en, um bes­ser mit die­ser an­ge­spann­ten Si­tua­ti­on um­zu­ge­hen. Ziel die­ser Stra­te­gi­en ist meist, sich vor den be­las­ten­den Kon­flik­ten zu schüt­zen oder we­nigs­tens zu ei­nem El­tern­teil ei­ne gu­te Be­zie­hung zu er­hal­ten. Die­se Stra­te­gi­en sind für Kin­der oft Not­lö­sun­gen, wel­che häu­fig mit ho­hen emo­tio­na­len Kos­ten ver­bun­den sind.

 

 

Lang­fris­ti­ge Fol­gen von Lo­ya­li­täts­kon­flik­ten

Fol­gen von Lo­ya­li­täts­kon­flik­ten für das Wohl­be­fin­den der Kin­der und die Be­zie­hun­gen zu ih­ren El­tern

Fol­gen von Lo­ya­li­täts­kon­flik­ten

Wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en zei­gen: Wenn Kin­der Ko­ali­ti­ons­druck emp­fin­den, lei­den häu­fig ih­re Ver­trau­ens­be­zie­hun­gen zu bei­den El­tern, vor al­lem aber die Be­zie­hung zu demje­ni­gen El­tern­teil, bei dem die Kin­der das Ge­fühl ha­ben, dass die­ser mehr Druck auf sie aus­übt und ih­re Be­zie­hung zum an­de­ren El­tern­teil we­ni­ger zu­las­sen kann. Das Zu­sam­men­spiel aus Stress durch das Mit­er­le­ben von el­ter­li­chen Kon­flik­ten, Ko­ali­ti­ons­druck so­wie ne­ga­ti­ven Ver­än­de­run­gen in den El­tern-Kind-Be­zie­hun­gen kann ne­ga­ti­ve Fol­gen für Ent­wick­lung von Kin­dern ha­ben und bei­spiels­wei­se Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten be­güns­ti­gen.

Ist ihr Kind be­las­tet und Sie su­chen Tipps, wie Sie es selbst un­ter­stüt­zen kön­nen oder fach­li­che Hil­fe fin­den?

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Be­dürf­nis­se der Kin­der in den Mit­tel­punkt stel­len

Es er­for­dert oft viel Selbst­be­herr­schung von El­tern, nach ei­ner Tren­nung die Be­zie­hung der Kin­der zum an­de­ren El­tern­teil zu un­ter­stüt­zen, vor al­lem wenn man selbst mög­li­cher­wei­se vie­le Ver­let­zun­gen er­lebt hat und den Kon­takt zum an­de­ren El­tern­teil am liebs­ten gänz­lich ver­mei­den möch­te. Vie­le El­tern be­rich­ten, dass sie das nur des­we­gen gut schaf­fen, weil sie sich vor Au­gen füh­ren, wie wich­tig ei­ne sol­che Hal­tung für das Wohl­be­fin­den ih­rer Kin­der ist. Sie stel­len die Be­dürf­nis­se ih­rer Kin­der in den Mit­tel­punkt.

Da­mit dies ge­lingt, soll­ten Sie sich auch Zeit für die ei­ge­ne Tren­nungs­ver­ar­bei­tung neh­men und gut für sich selbst sor­gen.

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Beziehungsaufbau

13 Tipps zur Bin­dungs­für­sor­ge

Fol­gen­des kön­nen Sie tun, um die Be­zie­hung Ih­rer Kin­der zum an­de­ren El­tern­teil zu för­dern.

 

  1. Den an­de­ren El­tern­teil für die Kin­der im All­tag prä­sent hal­ten z. B. durch Fo­tos oder re­gel­mä­ßi­ger An­ru­fe
  2. Sich an die ver­ein­bar­ten Um­gangs­zei­ten und Ab­spra­chen hal­ten
  3. Dar­auf ach­ten, dass die Wech­sel gut vor­be­rei­tet sind und die Kin­der al­les da­bei ha­ben, was sie brau­chen
  4. Dem an­de­ren El­tern­teil bei Über­ga­ben mög­lichst neu­tral be­geg­nen und Kon­flikt­the­men im­mer nur in Ab­we­sen­heit der Kin­der be­spre­chen
  5. Mit dem an­de­ren El­tern­teil wei­ter­hin im Aus­tausch über die Kin­der blei­ben (ggf. schrift­lich oder mit Hil­fe von Drit­ten)
  6. Den Kin­dern die Er­laub­nis ge­ben, sich selbst ein Bild vom an­de­ren El­tern­teil zu ma­chen
  7. Ge­las­sen rea­gie­ren, wenn die Kin­der et­was Ne­ga­ti­ves über den an­de­ren El­tern­teil sa­gen, und sich nicht mit ih­nen ge­gen den an­de­ren El­tern­teil ver­bün­den
  8. Die Be­zie­hung der Kin­der zum an­de­ren El­tern­teil un­ter­stüt­zen, auch wenn der Ein­druck be­steht, dass der an­de­re dies nicht tut
  9. Nicht ei­fer­süch­tig wer­den, wenn die Kin­der sich bei Pro­ble­men an den an­de­ren El­tern­teil wen­den, für Kin­der ist es ei­ne Be­rei­che­rung, meh­re­re Ver­trau­ens­per­so­nen zu ha­ben
  10. Schwie­rig­kei­ten mit dem an­de­ren El­tern­teil nicht mit den Kin­dern, son­dern mit dem an­de­ren El­tern­teil oder an­de­ren Er­wach­se­nen (in Ab­we­sen­heit der Kin­der) be­spre­chen
  11. Nicht aus Angst, dass die Kin­der den an­de­ren El­tern­teil be­vor­zu­gen könn­ten, in der Er­zie­hung nach­gie­bi­ger sein als sonst, so­wie Grenz­set­zun­gen und Re­geln des an­de­ren El­tern­teils re­spek­tie­ren
  12. Kon­flik­te im Bei­sein der Kin­der ver­mei­den
  13. Die Kin­der bei der Be­wäl­ti­gung der Tren­nung be­glei­ten und nicht zö­gern, sich bei Pro­ble­men Un­ter­stüt­zung bei ei­ner ge­eig­ne­ten An­lauf­stel­le zu su­chen

Quellen

Mehr zum The­ma

Hier fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu Quel­len der In­hal­te die­ser Sei­te.

Ama­to, P. R. & Afi­fi, T. D. (2006). Fee­ling Caught Bet­ween Pa­rents: Adult Child­ren's Re­la­ti­ons with Pa­rents and Sub­jec­ti­ve Well-Being. Jour­nal of Mar­ria­ge and Fa­mi­ly, 68(1), 222–235. htt­ps://doi.org/10.1111/j.1741-3737.2006.00243.x

Dal­los, R., La­kus, K., Chart, M.-S. & McKen­zie, R. (2016). Be­co­ming in­vi­si­ble: The ef­fect of tri­an­gu­la­ti­on on child­ren's well-being. Cli­ni­cal child psy­cho­lo­gy and psych­ia­try, 21(3), 461–476. htt­ps://doi.org/10.1177/1359104515615640

Par­mi­a­ni, L., Lafra­te, R. & Gi­u­lia­ni, C. (2012). Loy­al­ty Con­flict, Fee­lings of Un­fair­ness, and Young Adults' In­di­vi­dua­ti­on Dif­fi­cul­ties in Se­pa­ra­ted and Non­se­pa­ra­ted Fa­mi­lies. Jour­nal of Di­vor­ce & Re­mar­ria­ge, 53(5), 386–401. htt­ps://doi.org/10.1080/10502556.2012.682889

Ro­wen, J. & Eme­ry, R. (2014). Ex­ami­ning pa­ren­tal de­ni­gra­ti­on be­ha­viors of co-pa­rents as re­por­ted by young adults and their as­so­cia­ti­on with pa­rent–child clo­sen­ess. Cou­ple and Fa­mi­ly Psy­cho­lo­gy: Re­se­arch and Prac­ti­ce, 3(3), 165–177. htt­ps://doi.org/10.1037/cf­p0000026

van Di­jk, R., van der Valk, In­ge E, De­ko­vic, M. & Bran­je, S. (2022). Tri­an­gu­la­ti­on and child ad­just­ment af­ter pa­ren­tal di­vor­ce: Un­der­ly­ing me­cha­nisms and risk fac­tors. Jour­nal of fa­mi­ly psy­cho­lo­gy, 36(7), 1117–1131. htt­ps://doi.org/10.1037/fam0001008

Zim­mer­mann, J., Reim, J., Kind­ler, H., Am­berg, S., Wal­per, S. & Lux, U. (2023). Be­las­tun­gen von Kin­dern in Tren­nungs­fa­mi­li­en mit fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Kon­flik­ten. Pra­xis der Rechts­psy­cho­lo­gie, 2023(01). htt­ps://doi.org/10.51625/pdr20230104

Kon­tak­te und Über­ga­ben ge­stal­ten
Wie kön­nen Um­gans­kon­tak­te und Über­ga­ben po­si­tiv ge­stal­tet wer­den?

Kon­tak­te sind für Kin­der wich­tig, um wei­ter ei­ne Be­zie­hung zu bei­den El­tern­tei­len pfle­gen zu kön­nen. Auf der fol­gen­den Sei­te er­hal­ten Sie In­for­ma­tio­nen da­zu, wie man ei­ne pas­sen­de Kon­takt­re­ge­lung für die Kin­der fin­det und wie man Über­ga­ben po­si­tiv ge­stal­ten kann. Au­ßer­dem fin­den Sie prak­ti­sche Tipps zur Ge­stal­tung von Um­gangs­zei­ten mit den Kin­dern.

MEHR ERFAHREN
Zu­sam­men­ar­beit mit dem an­de­ren El­tern­teil
Wie kann die Zu­sam­men­ar­beit mit dem an­dern El­tern­teil nach der Tren­nung ge­lin­gen?

Es ist her­aus­for­dernd, als El­tern nach ei­ner Tren­nung wei­ter gut zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Selbst wenn es zwi­schen Ih­nen ge­ra­de vie­le Kon­flik­te ge­ben soll­te, gibt es den­noch Mög­lich­kei­ten, wie die Zu­sam­men­ar­beit in Zu­kunft ge­lin­gen kann. Er­fah­ren Sie auf der fol­gen­den Sei­te, wel­ches El­tern­mo­dell am bes­ten zu Ih­nen passt.

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El­tern  mit un­frei­wil­li­gem Kon­taktab­bruch
Was kann man bei un­ge­woll­tem Kon­taktab­bruch zu den Kin­dern tun?

El­tern lei­den meist sehr dar­un­ter, wenn sie nach der Tren­nung kei­nen Kon­takt zu ih­ren Kin­dern ha­ben kön­nen. Wel­che Fol­gen ein Kon­taktab­bruch zu ei­nem El­tern­teil für Kin­der ha­ben kann, wel­che Grün­de es für Kon­taktab­brü­che gibt und was man in die­sem Fall tun, kann er­fah­ren Sie auf der fol­gen­den Sei­te.

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